Am 5. Oktober wurde der Covenant-Standort in Leipzig offiziell eröffnet. Man muss sich das einmal vor Augen führen: Eine Raketenfabrik wird zum feierlichen Anlass, während man der Bevölkerung gleichzeitig erklärt, wie wichtig Frieden, Sicherheit und gesellschaftliche Verantwortung seien. Für mich passt das nicht zusammen. Es zeigt vielmehr, wie selbstverständlich das Geschäft mit Krieg inzwischen politisch aufgewertet wird.
Dass die Produktion damals erst für 2027 angekündigt war, macht diese Inszenierung besonders bezeichnend. Noch bevor die Fertigung überhaupt beginnt, wird mit einer Eröffnung bereits der Eindruck geschaffen, die Sache sei entschieden und die grundsätzliche Debatte damit erledigt. Wer jetzt noch widerspricht, soll offenbar nur noch den wirtschaftlichen Erfolg stören. Aber eine Feier ist weder eine Genehmigung noch ein Argument dafür, diese Entwicklung hinzunehmen.
Mich ärgert vor allem diese verdrehte Vorstellung von Fortschritt. Eine Stadt, in der Geld für soziale Angebote fehlt und notwendige Infrastruktur auf ihre Sanierung wartet, soll ihre wirtschaftliche Hoffnung ausgerechnet in Marschflugkörper setzen. Als wäre es besonders vernünftig, zivile Fähigkeiten immer stärker für militärische Zwecke zu binden, statt sie für die Verbesserung des Lebens zu nutzen.
Auch die angekündigten Arbeitsplätze machen daraus für mich keine gute Nachricht. Beschäftigte verdienen eine verlässliche zivile Perspektive und keine politische Erzählung, in der das Wohl ihrer Stadt irgendwann vom nächsten Rüstungsauftrag abhängt. Wer das als alternativlos verkauft, hat sich von einer eigenständigen zivilen Wirtschaftspolitik offenbar längst verabschiedet.
Die Eröffnung hat meine Haltung deshalb nicht verändert. Sie hat mir nur noch deutlicher gezeigt, wie dringend diese Auseinandersetzung ist. Dass bei Covenant bereits gefeiert wurde, bedeutet nicht, dass Leipzig sich mit der Produktion abfinden muss. Es bedeutet zunächst einmal, dass andere diese Gewöhnung gern hätten. Ich habe keinen Grund, ihnen dabei behilflich zu sein.
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